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Nummer 1861.1
Gültigkeitszeitraum 01.11.1861 - 31.12.1867
Postfrisch 60 €
Postfrisch ohne Gummi/mit Falz 20 €
ungestempelt mit Falz 10 €
Gestempelt 500 €
Beleg 4500 €









1861.1/1

Auflage: 160000 (siehe Anmerkung zu Auflagenzahlen) - davon gebraucht ca. 35000 (geschätzt)

 **  *  (*)  gest.  Brief
 60.- €       20.- €   
 10.- €    
 500.- €   4500.- €

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1861.1/2

Auflage: 40000 (siehe Anmerkung unten) - davon gebraucht ca. 4000 (geschätzt)

Die 1861.1/2 ist die seltenste Marke Bergedorfs und eine der seltensten Altdeutschlands überhaupt.
Sie ist selbst ungebraucht schwierig zu bekommen und preislich stark unterbewertet.



 **  *  (*)  gest.  Brief
 300.- €   150.- €  
 60.- €    
 6000.- €  Lp        

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Unterscheidung der beiden Marken

Die 1861.1/2 unterscheidet sich von einer 1861.1/1 nicht nur in ihrer dunkleren Farbe, sondern auch durch ein geringfügig kleineres Format. Herstellungsbedingt gibt es, was die jeweilige Länge bzw. Breite betrifft allerdings Abweichungen.

Auffällig sind die Farbunterschiede. Die 1861.1/1 hat dabei immer einen Stich ins Grünliche, während die 1861.1/2 keine Tendenz in diese Richtung zeigt.

Zu erwähnen wäre vielleicht noch, dass der Neudruck  von 1872 farblich genau zwischen diesen beiden Farbnuancen liegt.

Die 1861.1/2 macht insgesamt auch einen etwas unschärferen Eindruck.
Ein weiteres recht deutliches Merkmal ist der senkrechte Strich des "T" in "POSTMARKE",

der bei der 1861.1/2 deutlich dünner ausfällt.

 

1861.1/1            1861.1/2

Bei der 1861.1/1 befinden sich zwei Anlagepunkte jeweils rechts vom Bruchstrich der 1/2,
die bei der 1861.1/2 durchgängig nicht erkennbar sind.

1861.1/1

1861.1/2


Anmerkung: Jede einzelne Marke zeigt bestimmte Feldmerkmale, an Hand derer man ihre Position im Umdruckblock bestimmen kann.
Bei der oben abgebildeten 1861.1/2 fällt der markante Druckausfall im Turm des Wappens sofort ins Auge.
Dieses Merkmal zeigt nur Feld 24 des rechten Halbbogens (siehe Block- und Feldmerkmale unten).

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Einheiten



   **  *  (*)
 1861.1/1
 180.- €    80.- €
   30.- €
 1861.1/2  800.- €  400.- €
 160.- € 

 

 



   **  *  (*)
 1861.1/1  300.- €
 140.- €     50.- €   
 1861.1/2      

 oder

   **  *  (*)
 1861.1/1  400.- €
 230.- €     100.- € 
 1861.1/2       


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Gebrauchte Bergedorf-Briefmarken

Da das gesamte Postgebiet Bergedorf nur etwa 12000 Einwohner hatte und die Frankierung der Briefe nicht obligatorisch und allgemein auch nicht üblich war, sind gebrauchte Bergedorf-Marken sehr selten. Ein großer Teil der Briefe wurde zu jener Zeit noch bar bezahlt. Zur Seltenheit trägt weiter bei, dass für Briefe ins benachbarte Schleswig-Holstein die Marken des Nachbarlandes verwendet werden mussten.

Gebrauchte Marken sollten unter allen Umständen nur aktuell geprüft erworben werden. Auch sollten sie möglichst Nachweise über Herkunft, bzw. früheres Vorkommen besitzen.


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Bogen

Es ist schon seltsam, dass Bergedorf seine fünf Werte in unterschiedlichen Bogengrößen druckte.
Noch merkwürdiger ist die Anordnung der Marken auf den jeweiligen Bogen.

Die 1861.1/1 wurde - wie auch die 1861.1/2 - in zwei Halbbogen zu insgesamt 200 Marken und 8 Leerfeldern gedruckt.

Infolge der Bogenanordnung ergeben sich zahlreiche Besonderheiten an Zusammendrucken.

So existieren von der Nr. 1861.1/1 und 1861.1/2:

Marken mit anhängendem Leerfeld - senkrecht und waagerecht (Leerf)
waagerechte Paare mit 4 mm Zwischensteg (Zwsteg)

1861.1/1

   **  *  (*)
 1861.1/1 Leerf
 600.- €   300.- €   140.- €
 1861.1/1 Zwsteg
 400.- €  260.- €  120.- €

1861.1/2

   **  *  (*)
 1861.1/2 Leerf  1500.- € 
 800.- €    350.- € 
 1861.1/2 Zwsteg    1200.- €  700.- €    300.- €

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Echtheitsmerkmale

1. Saubere, deutliche Querbalken in den Buchstaben „A“ und „H“
2. Kein Punkt im oberen Teil des senkrechten „N“-Striches in „EIN“

3. Klare, deutliche Schlingen der ringartigen Wappenumrahmung
4. Im Kettenring unter dem zweiten "E" in "BERGEDORF" ist mitten im Kreis ein waagrechter Strich
5. Der obere Teil des Schildes hat drei lange und eine kurze Linie.

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Entstehung der 1861.1/2

Die Entstehungsgeschichte dieser Marke ist bis heute nicht vollständig geklärt. Karl Knauer versucht zu beweisen, dass sie nicht erst, wie es in Katalogen steht, 1867 erschien, sondern von Anfang an dagewesen sein muss.

Im Jahr 1894 hat der belgische Sammler und Händler Jean Baptiste Moens, von dem im Zusammenhang mit den Neudrucken noch die Rede sein wird, in "Le Timbre Poste" das Zustandekommen zu erklären versucht. Er schreibt darüber:

"Die Zeit des Druckes dieser letzteren (dunkelblauen) Marke ist uns unbekannt; doch glauben wir ... daß sie aus derselben Zeit herrührt, wie die blaßblaue, und zwar aus folgenden Gründen:

Wäre die 1/2 Schilling dunkelblau dazu bestimmt gewesen, der blaßblauen n a c h z u f o l g e n , so hätte das sicher seinen Grund darin gehabt, daß diese letztere naherzu ausgegangen war oder daß ihr Ausgehen in nächster Aussicht stand. ...Ein Beweis, daß der Druck 1861 erfolgt sein muß, ergiebt sich daraus, daß die Platte aus den 12 Marken der Umdruck-Matrize gebildet ist. Diese war wahrscheinlich nicht vernichtet, da sie sich mit den Umdrucken der übrigen Werte auf einem und demselben Steine befand, der noch zum Druck der 1, 1 1/2 und 4 Schillinge verwendet wurde, wie ein Gesammt-Abzug des Steines beweist.

Wir nehmen an, daß eine zweite Platte durch die Unachtsamkeit des Litographen nötig wurde, der seinen Stein abschleifen ließ, ehe er sich vergewissert hatte, ob die angefertigte Auflage dem empfangenen Auftrage der Zahl nach entsprach. Um sein Versehen gut zu machen, hat er das verbrauchte blaßblaue Papier durch ein möglichst ähnliches ersetzt; ..."

Die wichtigste Feststellung hieraus bedeutet, dass die 12-er Umdruckblöcke sowohl der 1861.1/1 als auch der 1861.1/2 von demselben Umdruckstein abgenommen worden sein müssen. Knauer bestätigt diesen Sachverhalt an Hand eines Vergleichs der beiden Bögen:


"Die Umdruckblöcke sind bei den letzteren nur genauer zusammengenadelt und der Druck ist bei diesen etwas weniger scharf und deutlich. Auf Grund des vorstehenden Paalzow-Schreibens vom 1.11.1861 kann nicht geleugnet werden, daß nur der Originaldruckstein zu diesem Zeitpunkt vorhanden war, der Umdruckstein hingegen und auch die Drucksteine für die Bögen ... bereits abgeschliffen waren ... Es steht also einwandfrei fest, daß beide Farben - hell- und dunkelblau - bereits am 1.11.1861 vorhanden gewesen sein m ü s s e n ."

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Auflagen der Bergedorf-Marken

Laut Paalzow (Antrag, betreffend die Einführung von Briefmarken vom 19. Juni 1861) wurden von ihm zum Druck beantragt,

1861.1
  200000  
1861.2
  90000  
1861.3
  100000  
1861.4
  80000  
1861.5  
  80000  

also insgesamt 550000 Marken. Tatsächlich wurden aber offensichtlich nur 450000 Marken gedruckt. Im Bergedorfer Convents  Protocoll vom 16. Juni 1862 findet sich hierzu folgender Hinweis:

"... und ebenso sind statt der veranschlagten Anschaffung von 200000 Stück Marken à 1/2 Schilling mit 35 Mark angeschafft nur 100000 Stück und mit 17 Mark 8 Schillinge in Rechnung gebracht."


Existieren also nur 100000 Marken von der Nr. 1861.1 statt der in der meisten Literatur zu lesenden Zahl 200000?

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Kleiner Exkurs in die Geschichte

Quelle: http://fhh.hamburg.de

Bergedorf hat eine lange und bewegte Geschichte. Bereits zu Beginn des 9. Jahrhunderts soll es am Bergedorfer Geesthang eine Dorfgemeinschaft gegeben haben. Urkundlich erwähnt wurde die Gemeinde erstmals 1162. Im Jahr 1202 wurde Bergedorf – wie auch das benachbarte Hamburg – von den Dänen besetzt. 1227 endete die dänische Besetzung. Im Jahr 1275 verliehen die Herzöge von Lauenburg Bergedorf das Stadtrecht.

Da die verbündeten Freien und Hansestädte um die Sicherheit ihrer Handelsstraßen bangten, griffen sie im Juli des Jahres 1420 die vom Lauenburgischen Herzog schutzlos zurückgelassene Stadt an und eroberten sie schließlich. Bergedorf wurde gemeinsamer Besitz der Städte Hamburg und Lübeck. Zusätzlich zur Stadt selber bekamen die Sieger auch die späteren Vierlande, die Riepenburg beim Zollenspieker, die Feste Kuddewörde und Geesthacht zugesprochen.

450 Jahre lang wurden die Gebiete gemeinsam von beiden Städten - „beiderstädtisch“ -  verwaltet. Erst 1867, als Bergedorfer längst enge Bindungen zu Hamburg geknüpft hatten, trat Lübeck seinen Anteil für 200000 Taler an Hamburg ab.

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Frühe Postgeschichte bis 1806

Reihefuhre und Amtsbote

Bereits 1687 betrieb ein fahrpostähnlicher Fuhrverkehr, sowohl für Personen, als auch für Briefe und Pakete, die Verbindung nach Hamburg und in die nähere Umgebung. Ein Antrag von 46 in Bergedorf ansässigen Bürgern auf Bewilligung einer "Reige-Fuhr" (Reihefuhre) beim Amt wurde 1690 bewilligt. Insgesamt 14 Bürger besaßen das Privileg, die Verbindung zwischen Bergedorf und Hamburg aufrecht zu erhalten und Personen oder Gepäck zu befördern.

1739 nahm ein beeidigter Amtsbote seine Tätigkeit auf. Aber erst 1763 findet man einen Hinweis darauf, dass dieser mit den Fuhren nach Hamburg und zurück beauftragt wurde.

Die Hannoversche und die Thurn und Taxissche Postexpedition

Das genaue Datum der Einrichtung der Hannoverschen Postexpedition ist nicht bekannt. Als spätestes Datum wird der 13. Januar 1752 angesehen.

Ohne Wissen des Bergedorfer Amtes wurde 1785 in Bergedorf eine Thurn und Taxissche Postexpedition eingerichtet. Sie unterstand dem Hamburger Oberpostamt. Erst drei Jahre später, als der Verwalter über seiner Haustür ein kaiserliches Postschild anbringen ließ, wurde das Amt darauf aufmerksam. Nach Verhandlungen wurde der Thurn und Taxisschen Postexpedition schließlich Rechtmäßigkeit und Existenz zugesprochen.

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Die Zeit der napoleonischen Besatzung (1806-1813)

Die Geschichte der französischen Besatzung begann am 6. November 1806. Sie dauerte - unterbrochen durch eine kleine Zeitspanne zwischen März und Mai 1813, in der Bergedorf von russischen Truppen besetzt war, über sieben Jahre und endete am 31. Dezember 1813.

Bergedorf, die Vierlande und die Exklave Geesthacht hatten im Hamburger Raum am stärksten unter den Repressalien zu leiden. Für die ansonsten so ruhige Stadt brachte die Besatzung auch umwälzende postalische Veränderungen.

Zunächst wurde sowohl in Hamburg als wohl auch in Bergedorf bereits im Dezember 1806 die Thurn und Taxissche Postexpedition geschlossen. An Stelle derer wurde eine "Großherzoglich Bergische Postexpedition", benannt nach dem Großherzog Joachim von Berg, einem Schwager Napoleons, errichtet. Diese führte aber nur kurze Zeit ihre Dienste für den Großherzog selbst durch, ging in den Besitz Napoleons über und änderte ihren Namen in

  "Kaiserlich Königl. Französisches Hauptpostamt", bzw.
  "Kaiserlich Königl. Französisches Post-Comptoir".

Am 1. März 1810 wurde die Hannoversche Spedition durch die "Königlich Westphälische Post-Expedition" abgelöst.

Am 1. Januar 1811 wurde Bergedorf und die Vierlande dem französischen Kaiserreich zugeschlagen. Mit dieser Annektion wurden alle noch bestehenden Postanstalten in der Kaiserlich Französischen Post einverleibt. Dies war auch das Ende der Westphälischen Postexpedition in Bergedorf.

Während all dieser Veränderungen blieben aber der Bergedorfer Amtsbote und der Reihewagen als lokale Einrichtung bis weit in die französische Zeit hinein bestehen. Wahrscheinlich stellten beide keine ernsthafte Konkurrenz für die Post dar.

Auf die kurze Interimsperiode der russischen Besatzung soll hier nicht eingegangen werden. Nachdem die Stadt am 3. Dezember 1813 dann endgültig von den Franzosen geräumt wurde, fand ein allmählicher Wiederaufbau der alten, vorfranzösischen Verwaltungen statt. Die Zeit endete endgültig mit der Befreiung Hamburgs am 31. Dezember des Jahres.

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Die Errichtung des Lübeck-Hamburgischen Postamts (1847)

Die Königlich Preußische Post-Expedition und Eisenbahn-Staatsvertrag

Am 1. Mai 1838 eröffnete Preußen eine Postexpedition in Bergedorf. Als Postmeister wurde - Franz-Wilhelm Ludwig Paalzow - ernannt. Mit der Errichtung der Eisenbahn ab Mitte der 1840er Jahre ließ die Wichtigkeit und Frequentierung dieser Expedition, ebenso wie die der Hannoverschen Postexpedition, jedoch schlagartig nach. Mit der Fertigstellung der Strecke zwischen Hamburg und Bergedorf (1846) war für Preußen die Postexpedition in Bergedorf überflüssig geworden, da sie sich finanziell nicht mehr lohnte. Versuche Paalzows - auf Anweisung seiner vorgesetzten Behörde -, die Station aufrecht zu halten, scheiterten. Am 13. März 1847 endete die Zeit der Preußischen Post in Bergedorf.

Das Lübeck-Hamburgische Postamt

Wenn man von Bergedorf aus philatelistischer Sicht spricht, meint man nicht nur das Städtchen Bergedorf, sondern das Amt Bergedorf. Hierzu gehören außer der Stadt selbst die Gemeinden der Vierlande, die Exklave Geesthacht sowie nach 1857 das Hamburger Marschgebiet. Diesem Amt Bergedorf stand ein sogenannter Amtsverwalter vor. Dieser allein war für alle postalischen Angelegenheiten verantwortlich.

Das Amt Bergedorf war gemeinsamer Besitz der Hansestädte Lübeck und Hamburg. Beide Städte bildeten je einen Ausschuss, der für die Angelegenheiten der Stadt Bergedorf zuständig waren. Diese Ausschüsse nannten sich „Lübecker bzw. Hamburger Visitation für das gemeinsame Amt und Städtchen Bergedorf“.

Bereits 1838 bestand der Gedanke an die Errichtung einer beiderstädtischen Extrapost. Auch die Landbevölkerung wünschte sich eine bessere Postverbindung mit Bergedorf und Hamburg. Auf Betreiben des Amtsverwalters Dr. Lindenberg wurde das Lübeck-Hamburgische Postamt schließlich am 1. April 1847 eröffnet. Als Postmeister wurde der oben erwähnte vorab preußische Postmeister Paalzow eingestellt.

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Die Bergedorfer Postmarken (1861-1867)

Auch auf Drängen des Publikums, das wie in Lübeck und Hamburg schon längst möglich eigene Postmarken verwenden wollte, reichte der damalige Postmeister Franz-Wilhelm Ludwig Paalzow (1816-1896) am 25. Juni 1859 dem Amt einen entsprechenden Antrag ein. Im Bericht vom 19. Juni 1861 gibt er die Höhe der anzuschaffenden Marken mit 550000 Stück an. Tatsächlich wurden aber wohl nur 450000 geliefert. Paalzow fügte Probedrucke aller fünf vorgesehen Werte bei (siehe Abbildung). Angeblich wurden einige dieser Probedrucke ab Juni 1861 vorab vom Postamt verkauft. Noch fraglicher ist auch, ob davon Marken zur Frankierung benutzt wurden.

 
Die Urdrucke zu ½ Schilling und 3 Schilling, die schwarz auf lila bzw. schwarz auf weinrotem Papier gedruckt waren, wurden allerdings in dieser Farbzusammenstellung nicht genehmigt. So änderte Paalzow die Farben in die heute bekannten ab (schwarz auf blau, bzw. blau auf rosa). Ab 28. Oktober konnten die Marken im Postamt erworben und ab 1. November 1861 verwendet werden. Ob die Urdrucke der beiden o.g. Marken im Bergedorfer Postamt jemals verkauft - oder gar zur Frankatur benutzt wurden, ist umstritten. Moens versuchte Jahre später im Briefwechsel mit Paalzow nachzuweisen, dass diese Marken in den ersten Novembertagen 1861 dort erhältlich waren.

 

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Der Markendruck

Die 1861 herausgegebenen Marken Bergedorfs mit dem halben Lübecker und dem halben Hamburger Wappen wurden im Steindruckverfahren mit Hilfe von drei kleinen Steinen auf unterschiedlichem, farbigem Papier vom Hamburger Lithographen Charles Fuchs hergestellt. Von den drei Drucksteinen hat Fuchs aber nur den Originalstein an Paalzow ausgeliefert, der ihn dem Bergedorfer Amtsverwalter Dr. Kauffmann zur Verwahrung übergab.

Der Steindruck ist ein Flachdruckverfahren, bei dem die druckenden wie auch die nicht zu druckenden Bildteile in einer Ebene stehen. Die zu druckende Zeichnung wird mit einer fetthaltigen Substanz auf einen geschliffenen Kalkstein aufgebracht. Nach Stabilisierung, Ätzung, Überzug mit Gummi Arabicum, der an den unbezeichneten Stellen zurückbleibt, und der Trocknung, wird die ursprünglich aufgetragene Farbe heruntergewaschen. Auf dem Stein bleibt die Zeichnung nur noch als Fettgrund zurück. Auf diesen wird die ebenfalls fetthaltige Druckerfarbe aufgetragen. Die Farbe wird von der Zeichnung gebunden, während der restliche Stein das Wasser durch die in ihm abgelagerten Gummireste hält und daher keine Farbe annimmt.

Die drei Drucksteine

Zur Herstellung der Markenbögen waren drei Steine erforderlich. Auf dem Originalstein waren alle fünf Werte einzeln abgebildet (Jahre später kam noch ein veränderter 4-Schilling-Wert hinzu). Der zweite Stein war der Umdruckstein. Mit Hilfe von Umdruckfarbe wurden die Werte vom Originalstein abgezogen und zu Achter-, Zehner- und Zwölferblöcken zusammengenadelt. Der dritte Stein war dann der eigentliche Druckstein, von dem die Originalbogen gedruckt wurden.

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Aufbau eines Bogens

 

Die 1861.1 wurde in zwei Halbbogen zu je 100 Marken gedruckt. Der gesamte Bogen besteht aus 16 Umdruckblocks (in der Zeichnung kursiv eingetragen) zu je 12 Marken und 8 Einzelmarken. Der erste Umdruckblock ist blau hinterlegt, die 12 Einzelmarken hierdrin in Normalschrift angegeben.
Bei der 1861.1/2 (dunkelblau) sind die 8 Marken der letzten Reihe anders als bei der skizzierten 1861.1/1:
linker Halbbogen: 7, 8, 5, 6, rechter Halbbogen 3, 4, 1, 2.


Bogenmerkmale der 1861.1/1  hellblau

Die Aufnadelung der einzelnen Umdruckblocks erfolgte sehr ungenau. Senkrechte gerade Linien lassen sich nicht ziehen, ohne einzelne Marken zu schneiden. Auch waagerechte gerade Linien lassen sich nur unterhalb der 4. bis unterhalb der 9. waagerechten Reihe ziehen. Zwischen den einzelnen Umdruckblocks existieren teilweise große weite Abstände.

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Block- und Feldmerkmale der 1861.1/1  hellblau

A - Blockmerkmale in jedem Umdruckblock (1861.1/1  hellblau)

Alle 1. Marken:   Links am "L" in "HALBER" ein farbiger Punkt,
                         im Kopf des "T" von "POSTMARKE" ein kleiner, waagerechter Strich

                         

Alle 2. Marken:   "G" von "SCHILLING" unten verunstaltet

                         

Alle 3. Marken:   Unten am "C" von "SCHILLING" ein farbiger Fleck

Alle 5. Marken:   Unten am Fuß des "B" von "BERGEDORF" nach links ein schwarzer Strich
                         ein schwarzer Punkt im rechten Strich des "H" in "SCHILLING" links fast am Fuß

                         

Alle 7. Marken:   Rechts oben im Kopf des "I" in "EIN" ein schwarzer Punkt

                         

Alle 9. Marken:   Ein farbiger Strich links am "I" in "EIN" etwas über der Mitte,
                         rechts im "O" von "POSTMARKE" ein schwarzer Punkt,
                         unterhalb der "2" der linken unteren Eckwertziffer eine Lädierung der Einfassungslinie

                           

Alle 10. Marken: Ein schwarzer Fleck, der "IL" in "SCHILLING" und die zwei darüber befindlichen Glieder
                         des Kettenkreises verunstaltet,

                         
                         (Ausnahme: 16. Umdruckblock:
                         die Buchstaben "IL" wurden auf dem Druckstein nachgebessert,
                         sind aber immer noch etwas zu kurz,
                         im Kopf des "L" befindet sich nur ein schwarzer Punkt,
                         die Verschmierung der Kettenglieder besteht aber wie bei allen 10. Marken
                        

B - Feldmerkmale in den verschiedenen Umdruckblöcken (1861.1/1  hellblau)

Linke Bogenhälfte

Im 1. Block:        In der  1. und besonders in der 2. Marke  mehr oder weniger starke Verschmierungen
                           In der 10. Marke ein farbiger Strich im Wappenuntergrund von der Spitze des mittleren
                           geteilten Wappenturms in Richtung des "O" von "BERGEDORF" bis zum Kettenkreis
                       
Im 2. Block:        In der  8. Marke ein kleiner waagerechter Strich im Wappenuntergrund zwischen
                           Adlerkopf und Turmspitze

Im 3. Block:        In der  6. Marke eine farbige Lädierung der Außenlinie in der oberen linken Ecke
                           des oberen rechten Wertzifferfeldes, direkt darüber ebenso in der Trennungslinie
                           Zwischen der 10. und 12. Marke ist die Trennungslinie ebenso unterbrochen
                           In der 12. Marke ist die Trennungslinie über dem "F" von "BERGEDORF" unterbrochen

Im 4. Block:        In der 11. Marke ein großer, schwarzer Fleck rechts vom Wappenturm auf dem Hintergrund

Im 5. Block:        In der  8. Marke strichförmige Schmierung im Wappen vom unteren Rand des Adlerflügels
                           bis zur unteren rechten Ecke vom Fuß des Turms

Im 6. Block:        In der  1. Marke über dem "B" von "BERGEDORF" ein sägezahnartiger, farbiger Einschnitt
                           In der 4. Marke eine farbige Verunstaltung des Adlerschnabels

Im 7. Block:        Zwischen der 7. und 8. Marke ein schräger, schwarzer Strich, beginnend in
                           der 7. Marke rechts unterhalb der "LI" von "SCHILLING" und endend in der 8. Marke
                           beim "L" von "HALBER", beide Trennungslinien durchlaufend
                           In der 9. Marke mehr oder weniger schwacher Untergrund links neben dem  Adlerfuß    

 

Rechte Bogenhälfte

Im 9. Block:        In der  9. Marke ein farbiger, waagerechter Strich, der die obere Rundung der Kugel
                           unter dem "L" von "LHPA" schneidet oder entfernt, verlaufend bis in das "E" von "HALBER"

Im 10. Block:       In der 1. Marke ein kleiner, farbiger Punkt links am Kopf des "G" von "BERGEDORF"

                         
                           In der 5. Marke ein kurzer, senkrechter, farbiger Strich von der Mitte des "M" in
                           "POSTMARKE" bis in die doppelte Trennungslinie darunter

Im 11. Block:       In der 8. Marke ein kleiner, farbiger Punkt mitten unter dem "G" von "SCHILLING"

Im 13. Block:       In der 12. Marke eine farbige, kleine, waagerechte Linie an der Außenlinie
                           über dem "F" von "BERGEDORF" (vermutlich nicht bei allen Drucken vorhanden)

Im 14. Block:       In der 12. Marke eine schwarze Linie über dem "M" von "POSTMARKE", die gebogen
                           zur Mitte des linken senkrechten Balkens verläuft                  

Im 15. Block:       In der 9. Marke eine dünne, lange, schwarze Linie, beginnend unterhalb des zweiten
                           "L" von "SCHILLING" an der Trennungslinie und endend in der Wappenmitte
                           (teilweise aber auch erst im Wappenturm der 10. Marke des 14. Blocks)

Im 16. Block:       In der 3. Marke erscheint die "2" in der oberen rechten Eckwertziffer in drei Teile zerlegt
                           In der 9. Marke ein farbiger Strich vom Kopf des zweiten "L" in "SCHILLING" zum
                           Kettenring mitten über dem "LL" in  "SCHILLING"

                         

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Bogenmerkmale der 1861.1/2  dunkelblau

Die Aufnadelung der einzelnen Umdruckblocks erfolgte hier wesentlich genauer. Senkrechte gerade Linien lassen sich ziehen, ohne einzelne Marken zu schneiden. Auch waagerechte gerade Linien lassen sich in jeder Bogenhälfte ziehen. Eine waagerechte Linie durch beide Bogenhälften ist allerdings nur zwischen der 1. und 2. waagerechten Reihe möglich, weil die restlichen Marken der linken Bogenhälfte höher stehen als die rechten. Die 8 Marken der letzten Reihe sind anders als bei der vorigen Marke:
linker Halbbogen: 7, 8, 5, 6, rechter Halbbogen 3, 4, 1, 2.

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Block- und Feldmerkmale der 1861.1/2  dunkelblau

A - Blockmerkmale in jedem Umdruckblock (1861.1/2  dunkelblau)

Die Merkmale stimmen im Allgemeinen mit den bei 1861.1/1 (hellblau) beschriebenen Kennzeichen überein.

Ausnahmen hiervon sind:

Alle 1. Marken:   Der Strich im Kopf des "T" von "POSTMARKE" ist meist nicht erkennbar

Alle 5. Marken:   Der Strich unten am Fuß des "B" von "BERGEDORF" ist meist nicht erkennbar

Alle 10. Marken: Der schwarzer Fleck, der "IL" in "SCHILLING" und die zwei darüber befindlichen Glieder
                         des Kettenkreises verunstaltet, ist auch im 16. Umdruckblock vorhanden

                         
                 
B - Feldmerkmale in den verschiedenen Umdruckblöcken (1861.1/2  dunkelblau)

Weil beim Umdrucken offensichtlich sorgfältiger gearbeitet wurde, lassen die einzelnen Umdruckblocks im Allgemeinen kaum besondere Merkmale erkennen.


Linke Bogenhälfte

Zwischen 4.bis 8. Block: 

                           Zwischen dem 4. und 8. Umdruckblock fehlt außer einem kurzen Stück die  Trennungslinie


Rechte Bogenhälfte
                          
Im 9. Block:        In der  11. Marke ein farbiger, rechteckiger Fleck rechts auf dem "F" von   
                         
"BERGEDORF", der das rechte Wertziffernfeld links freilegt   

Im 12. Block:       In der  6. Mark auf dem rechten Wappenturm unterhalb des Dachs rechtsseitig  
                          ein runder, farbiger Fleck

                          

In der 200. Marke:      
                                  Strichartige, farbige Linie, der den Kopf der rechten oberen Eckwertziffer "2"  
                          von seiner Fahne trennt

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Gummierung

Die Gummierung erfolgte mit einem Pinsel von Hand. Sie erscheint daher streifig.

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Neudrucke

Nach Ende der Gültigkeit der Marken am 31.12.1867 kaufte der oben erwähnte belgische Händler Moens die gesamten Restbestände der Bergedorfer Marken sowie den Urdruckstein auf. Von diesem druckte er im Zeitraum zwischen 1872 und 1888 privat in vier verschiedenen Jahren Neudrucke. Formal kann man den Charakter dieser Neudrucke nur als Fälschungen sehen.

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Preise der Neudrucke

Nur Einheiten oder sogar Bogenteile der ersten Neudrucke von 1872 sind selten.
Die ND der späteren Jahre haben dagegen nur einen geringen Wert.

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Übersicht über die von Moens hergestellten Neudrucke

    1872   1874  1887  1888
 1861.1 
  x     x  
 1861.2
  x     x   x
 1861.3
  x     x  
 1861.4
  x     x   x
 1861.5
  x   x   x  

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ND 1872

1. Punkt im oberen Teil des senkrechten „N“-Striches in „EIN“
2. Undeutliche, teilweise verstümmelte Querbalken in den Buchstaben „A“ und „H“
3. Weniger klare Glieder der Ringkette


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ND 1887

1. Punkt im oberen Teil des senkrechten „N“-Striches in „EIN“
2. Undeutliche, verstümmelte Querbalken in den Buchstaben
3. Heller Adlerkopf
4. Weniger klare Glieder der Ringkette
5. Zerrissene Wellenlinien
6. Sehr unsaubere Buchstaben

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Weitere Fälschungen

Fälschungen haben keinerlei Wert. Sie dienen hier nur zu Vergleichszwecken.

 

Die Fälschungen sind u.a. erkennbar an den völlig ungleichmäßigen Ringen. Die Zahl der Ringe beträgt bei Originalen und Neudrucken 55. Das ist hier bei drei Marken nicht der Fall. Interessant auch, dass die Fälscher selbst vor der falschen Papierfarbe nicht zurückschreckten.


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Literatur

siehe Aufstellung nach Nr. 1861.5

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